RAPID® (Bain & Company): Recommend, Agree, Perform, Input, Decide. Anders als RACI trennt RAPID das echte Veto („Agree“, nur mit sachlicher Grundlage und Antwortfrist) vom bloßen Beitrag („Input“) und verlangt genau einen Entscheider. Das Werkzeug enthält ein Entscheidungsinventar, eine interaktive RAPID-Matrix mit Live-Regelprüfung, Decision-Velocity-Kennzahlen (Soll-/Ist-Durchlaufzeit, Eskalationen), einen Anti-Pattern-Radar (Veto-Inflation, Doppel-D, Input-Überlast, Eskalationsdrift, Engpassentscheider), die Übersetzung in die RACI-Logik und eine auditfähige Governance-Charta.
Methodenbeschreibung
RAPID Framework (Decision Rights) AI
Einsatzbereich: Geeignet für Schnittstellenblockaden zwischen Bereichen (Sonderfreigaben, Sperrentscheidungen, Priorisierung bei Kapazitätsengpass), Gremien- und Ausschussarbeit, Delegationsordnungen und Unterschriftenregelungen, Post-Merger- und Reorganisationsprojekte sowie den Nachweis von Befugnissen nach ISO 9001 Kap. 5.3.
Die Methode: Definition, Ziel und Nutzen
Definition
RAPID® ist ein von Bain & Company entwickeltes Modell für Entscheidungsrechte (Decision Rights). Die Buchstaben bezeichnen die fünf Rollen einer Entscheidung: Recommend, Agree, Perform, Input, Decide.
Ziele
Entscheidungen eindeutig zuordnen, Blockaden an den Schnittstellen auflösen, das echte Veto von bloßem Widerspruch trennen und die Entscheidungsgeschwindigkeit messbar machen.
Nutzen und Vorteile
Kürzere Entscheidungswege ohne Qualitätsverlust, weniger Eskalationen, klare Befugnisnachweise für das Audit und eine faire Beteiligung: Input ist Pflicht, Konsens ist es nicht.
Allgemeine Arbeitsregeln
Die Methode beginnt mit Ziel, Kontext und Systemgrenze. Ohne diese Klärung entstehen scheinbar vollständige, aber fachlich schwache Ergebnisse.
Alle Aussagen müssen so konkret sein, dass ein Fachexperte sie prüfen, bestätigen, korrigieren oder verwerfen kann.
KI-Unterstützung darf Analysearbeit beschleunigen, ersetzt aber weder Fachentscheidung noch menschliche Freigabe.
Ein gutes Ergebnis ist nicht die längste Dokumentation, sondern diejenige, die Entscheidungen, Risiken, Nachweise und nächste Schritte klar macht.
Fachliche Arbeitsschritte
Diese Übersicht zeigt die bisher dokumentierten fachlichen Arbeitsschritte. Sie ist keine aus Schaltflächen abgeleitete Bedienanleitung und kein normativ vorgeschriebenes Phasenmodell.
Details zu den Arbeitsschritten
1
Governance-Bereich und Freigabe festlegen
Fachliches Ziel
Eine Governance-Charta ohne Scope regelt alles und nichts.
Konkretes Vorgehen
Organisation, Governance-Bereich (Prozesskette, Standort, Gremium), Zweck, Methodenverantwortung und Freigabe der Leitung werden festgelegt.
Erwartetes Ergebnis
Ein gelenktes Dokument mit klarem Regelungsbereich nach Kap. 5.3.
2
Funktionen und Gremien als Rollen erfassen
Fachliches Ziel
Entscheidungsrechte gehören an Rollen, nicht an Personen – sonst verfällt die Charta beim nächsten Personalwechsel.
Konkretes Vorgehen
Alle beteiligten Funktionen, Gremien und Schnittstellenpartner werden mit Kürzel erfasst; Gremien werden markiert, die aktuelle Besetzung wird nur nachgeführt.
Erwartetes Ergebnis
Eine stabile Rollenliste als Spaltenachse der Matrix.
3
Wiederkehrende Entscheidungen an den Schnittstellen inventarisieren
Fachliches Ziel
RAPID wirkt auf Entscheidungen, nicht auf Aufgaben – und zuerst dort, wo Vorgänge liegen bleiben.
Konkretes Vorgehen
Wiederkehrende Entscheidungen werden benannt und mit Auslöser, Kriterien, Häufigkeit, Tragweite, Umkehrbarkeit sowie den beteiligten Prozessen (von → an) eingewertet.
Erwartetes Ergebnis
Ein priorisiertes Entscheidungsinventar mit Schnittstellenbezug zu Kap. 4.4.
4
RAPID-Matrix füllen: genau ein D, genau ein R, Veto nur mit Grundlage
Fachliches Ziel
Die Matrix ist der Kern: sie macht Entscheidungsrechte verbindlich und prüfbar.
Konkretes Vorgehen
Je Entscheidung werden R, A, P, I und D zugeordnet – genau ein D, genau ein R, mindestens ein P, höchstens zwei A, jedes A ausschließlich mit sachlicher Veto-Grundlage und Antwortfrist.
Erwartetes Ergebnis
Eine regelkonforme RAPID-Matrix mit sofort sichtbarer Klarheitsquote je Entscheidung.
5
Soll-/Ist-Durchlaufzeit, Veto-Frist, Eskalationspfad und Tie-Break festlegen
Fachliches Ziel
Rechte ohne Fristen beschleunigen nichts.
Konkretes Vorgehen
Soll-Durchlaufzeit, gemessene Ist-Zeit, Eskalationszahl, Eskalationspfad bei Dissens zwischen R und A sowie der Tie-Break im Gremium werden festgelegt.
Erwartetes Ergebnis
Eine steuerbare Entscheidungsgeschwindigkeit mit definiertem Ausweg bei Konflikt.
Governance scheitert an wiederkehrenden Mustern, nicht an Einzelfehlern.
Konkretes Vorgehen
Der Anti-Pattern-Radar prüft Doppel-D, Veto-Inflation, Veto ohne Grundlage oder Frist, Input-Überlast, Eskalationsdrift und Entscheidungsstaus – jeweils mit Gegenmittel.
Erwartetes Ergebnis
Benannte Blockadeursachen und konkrete Korrekturen statt Schuldzuweisung.
7
Governance-Charta freigeben und wiederkehrend bewerten
Fachliches Ziel
Entscheidungsrechte sind Führungsaufgabe und müssen freigegeben und bewertet werden.
Konkretes Vorgehen
Kennzahlen (Klarheit, Single-D-Konformität, Veto-Disziplin, Decision Velocity) bewerten, Charta ausgeben, Freigabe dokumentieren und Überprüfungstermin nach Kap. 9.3 setzen.
Erwartetes Ergebnis
Eine freigegebene, auditfähige Governance-Charta der Entscheidungsrechte.
Allgemeine Prüfkriterien
Vollständigkeit: Alle methodisch notwendigen Felder sind ausgefüllt und logisch miteinander verbunden.
Nachvollziehbarkeit: Jede Aussage ist fachlich erklärbar und besitzt einen Bezug zu Daten, Beobachtung, Erfahrung oder dokumentiertem Expertenurteil.
Wirksamkeit: Abgeleitete Maßnahmen oder Entscheidungen adressieren die tatsächliche Ursache, das reale Risiko oder das definierte Arbeitsziel.
Auditfähigkeit: Ergebnisse können später gelesen, geprüft und weiterverwendet werden, ohne dass der ursprüngliche Workshop erneut erklärt werden muss.
Lernwirkung: Neue Erkenntnisse aus KI-Prüfung, Teamdiskussion oder Umsetzung werden kontrolliert ergänzt und nicht unbestätigt übernommen.
Typische Fehler
Zwei Entscheider benennen, weil man niemanden übergehen möchte – dann entscheidet niemand
Veto großzügig verteilen und so die Entscheidung faktisch konsenspflichtig machen
Veto ohne Antwortfrist vergeben, wodurch Schweigen blockiert
RAPID auf Aufgaben statt auf Entscheidungen anwenden
Hochfrequente operative Entscheidungen auf Geschäftsführungsebene belassen
Die Charta nie gegen die tatsächlich gemessenen Durchlaufzeiten und Eskalationen prüfen
KI-Unterstützung und fachliche Verantwortung
KI-Prüfung gehört in die konkrete Arbeitssituation des Tools: Dort liegen Eingaben, Zwischenergebnisse, offene Fragen und neue Erkenntnisse vor.
KI kann Lücken, Widersprüche, unklare Formulierungen, alternative Hypothesen, zusätzliche Prüffragen und methodische Verbesserungen vorschlagen.
Übernahme erfolgt erst nach fachlicher Sichtung. Nicht passende Vorschläge bleiben außen vor; gute Vorschläge werden angepasst und nachvollziehbar dokumentiert.
Ergebnisse und Übergaben
Eine vollständige, methodisch saubere Arbeitsfassung mit Ziel, Kontext, Analysefeldern und dokumentierten Ergebnissen.
Eine verdichtete Entscheidungs- oder Maßnahmenliste mit Verantwortlichkeit, Termin, Nachweis und Statuslogik, sofern die Methode Maßnahmen erzeugt.
Eine prüffähige Methoden-Dokumentation für interne Qualitätssicherung, Audit, Training oder Übergabe an andere Teams.
Freigeschaltete Beispiele
Diese Beispiele sind vollständig freigegeben und auch im separaten Beispiele-Schritt verfügbar.
Referenzbeispiel
RAPID-Governance-Charta: Entscheidungsrechte an den Qualitätsschnittstellen
Sechs wiederkehrende Entscheidungen zwischen Produktion, QM, Vertrieb und Werkleitung – mit Single-D-Regel, begründeten Veto-Rechten, Fristen und gemessenen Durchlaufzeiten.